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Oft dachte ich schon daran, daß es die beste Lebensweise für mich wäre, mit Schreibzeug und einer Lampe im innersten Raume eines ausgedehnten, abgesperrten Kellers zu sein. Das Essen brächte man mir, stellte es immer weit von meinem Raum entfernt hinter der äußersten Tür des Kellers nieder. Der Weg um das Essen, im Schlafrock, durch alle Kellergewölbe hindurch wäre mein einziger Spaziergang. Dann keehrte ich zu meinem Tisch zurück, würde langsam und mit Bedacht essen und wieder gleich zu schreiben anfangen. Was ich dann schreiben würde! Ohne Anstrengung! Denn äußerste Koncentration kennt keine Anstrengung.
[Franz Kafka: Brief an Felice Bauer vom 14. zum 15.01.1913] -
“IM SICHEREN VERTRAUEN AUF DEN FELS ISRAELS UNTERZEICHNEN WIR ZUR BEKUNDUNG DESSEN EIGENHÄNDIG DIESE PROKLAMATION IN DER SITZUNG DES PROVISORISCHEN STAATSRATS AUF DEM BODEN DES HEIMATLANDES, IN DER STADT TEL AVIV, HEUTE, VOR EINGANG DES SABBAT, AM 5. TAGE DES MONATS IJAR 5708,
DEM 14. MAI 1948.” -
[Materialistische Kulturkritik]
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Die Bewegung nach dem zweiten Weltkrieg, die sich existentialistisch nannte und avantgardistisch aufführte, hatte etwas Unkräftiges, Schattenhaftes. Der Existentialismus, den das deutsche Establishment als subversiv beargwöhnt, sieht den Bärten seiner Anhänger ähnlich. Sie kostümieren sich oppositionell, Jugendliche als Höhlenmenschen, die beim Schwindel der Kultur nicht mehr mitspielen, während sie doch nur das aus der Mode gekommene Emblem der patriarchalen Würde ihrer Großväter sich ankleben.
[Th. W. Adorno: Negative Dialektik, Funktion des Existenzbegriffs] -
Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet, aus der alten Zelle, die man haßt, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehen und sagen: »Diesen sollt ihr nicht wieder einsperren. Er kommt zu mir.«
- Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg
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“Die Nation berauscht sich am Wagner-Jahr. Und stilisiert einen der einflussreichsten deutschen Antisemiten nebenbei zum Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte. Ein Ausnüchterungsversuch.”
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“Der Ausdruck der Leute, die sich in Gemäldegalerien bewegen, zeigt eine schlecht verhehlte Enttäuschung darüber, dass dort nur Bilder hängen”
(Walter Benjamin, Einbahnstraße)
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In Deutschland liebte man Sartre, weil er das Gegenteil der beiden schlecht gelaunten Alten vom Frankfurter Institut war: forsch und kämpferisch. Das »Engagement« war Theodor W. Adorno und Max Horkheimer verdächtig. Schon damals bedeutete es für sie, was es heute ohne jeden Zweifel ist: eine Metapher fürs Mitmachen, für die »konstruktive Kritik«.
[Tjark Kunstreich: Der doppelte Sartre, in Jungle World 17 (2000)] -
Wie Sie und ich hatten die für Auschwitz Verantwortlichen menschliche Nasen, einen menschlichen Mund, eine menschliche Stimme, eine menschliche Vernunft; sie konnten sich vereinigen und Kinder haben. Wie die Pyramiden und die Akropolis ist Auschwitz ein Faktum, ein Signum des Menschen. Die Vorstellung vom Menschen ist von nun an mit einer Gaskammer verbunden.
[George Bataille (1947), zitiert nach Enzo Traverso: Nach Auschwitz] -
Noch gruseliger ist es, wenn die Bildhauer einen General oder einen Prinzen darstellen. Die Fahne flattert in der Hand, und es geht kein Wind. Das Schwert ist gezückt, und niemand fürchtet sich davor. Der Arm weist gebieterisch vorwärts, aber kein Mensch denkt daran, ihm zu folgen. Selbst das Pferd, das sich mit sprühenden Nüstern zum Sprung erhoben hat, bleibt auf den Hinterhufen stehen, starr vor Staunen darüber, daß die Menschen unten, statt zur Seite zu treten, ruhig ein Wurstbrot in den Mund stekken oder eine Zeitung kaufen. Bei Gott, Denkmalsfiguren machen keinen Schritt und machen doch immerwährend einen Faux pas. Es ist eine verzweifelte Lage.
[Robert Musil: Denkmale, in: Nachlaß zu Lebzeiten] -
[Marina Abramović: INTERRUPTION IN SPACE ]
(via bloomplague)
Gepostet am April 13, 2013 via lips of thomas with 2.996 Anmerkungen
Quelle: arteperformativa
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[René Magritte, Not to be Reproduced (1937)]
(via pr0spects)
Gepostet am März 29, 2013 via mirror, mask, and camera with 125 Anmerkungen
Quelle: tate.org.uk
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Die Freiheit? Während sie in der Jämmerlichkeit leben, können sie unglücklich oder glücklich sein. In dieser Wahl besteht ihre Freiheit. Es steht ihnen frei ihre Individualität mit einem Gefühl des Scheiterns oder aber der Euphorie im Massenkochtopf zu verschmelzen. Unsere Wahl, liebe gnädige Frau, ist die Euphorie.
[Milan Kundera: Die Identität] -
Nicht obwohl, sondern gerade weil sich der gegenwärtige Vergesellschaftungsmodus auf die Autonomie und Verantwortlichkeit der Subjekte beruft, trägt er, statt das Subjekt zu stärken, systematisch zu seiner Schwächung bei. Alain Ehrenberg hat diesbezüglich von dem erschöpften Selbst der Spätmoderne gesprochen. Günther Amendt nennt es ein Selbst, dem ohne Pillen die Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr gelingt. So erweist sich die spätmoderne Allgegenwärtigkeit der Sucht als Kehrseite einer Gesellschaft, die – wie es die »eiserne Lady« des Neoliberalismus Margaret Thatcher zu sagen pflegte – keine Gesellschaft, sondern nur Individuen kennt.
[Alexandra Schauer: Auf der Suche nach dem verlorenen Selbst. Sucht und Subjektivität in der Spätmoderne, in: Phase 2 Herbst 2012] -
HAMM: Ich habe einen Verrückten gekannt, der glaubte, das Ende der Welt wäre gekommen. Er malte Bilder. Ich hatte ihn gern. Ich besuchte ihn manchmal in der Anstalt. Ich nahm ihn an der Hand und zog ihn ans Fenster. Sieh doch mal! Da! Die aufgehende Saat! Und da! Sieh! Die Segel der Sardinenboote. All diese Herrlichkeit! Pause. Er riß seine Hand los und kehrte wieder in seine Ecke zurück. Erschüttert. Er hatte nur Asche gesehen. Pause. Er allein war verschont geblieben. Pause.Vergessen. Pause. Anscheinend ist der Fall … war der Fall gar keine … keine Seltenheit.
CLOV: Ein Verrückter? Wann war das?
HAMM: Oh, es liegt weit, weit zurück. Du warst noch nicht auf der Welt.

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![[Marina Abramović: INTERRUPTION IN SPACE ]](http://25.media.tumblr.com/e84b1cb5e965a30922c4dda0ebe2c2d9/tumblr_mg4b3lEJi41rg9c6vo1_500.jpg)
![[René Magritte, Not to be Reproduced (1937)]](http://25.media.tumblr.com/1926ce88b48287f766306c158d18dbc0/tumblr_mi8n5mGRt31qzfvn2o1_500.jpg)